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AHLEN (hb). Vernachlässigung und Kinderarmut stehen in einem engen Zusammenhang. Das war eine der Hauptthesen, die Uwe Sandvoss bei einer Veranstaltung am Donnerstagabend in der Familienbildungsstätte in Ahlen vertrat.
Eingeladen hatte den Präventionsbeauftragten der Stadt Dormagen, die bundesweit als Modellstadt für Familienfreundlichkeit gilt, die heimische SPD-Landtagsabgeordnete Annette Watermann-Krass. Die SPD-Politikerin hatte in ihrer Begrüßung auf die wachsende Kinder- und Jugendarmut hingewiesen, von der laut neuerer Studien jedes dritte Kind in Nordrhein-Westfalen betroffen ist. ?Wir sind ein reiches Land?, sagte Watermann-Krass, aber das Geld werde nicht zielgerichtet eingesetzt. Um in einer Gemeinde kinder- und familienfreundliche Strukturen zu schaffen, benötige man einen langen Atem, berichtete Sandvoss aus seinen Erfahrungen als Präventionsbeauftragter. Das erfordere den völligen Umbau der bestehennden Strukturen in den Rathäusern und setze einen weitgehenden Konsens der Parteien voraus. Am Anfang der Umstrukturierung habe die Erfahrung gestanden, dass sich die Akteure der Kinder- und Jugendhilfe nicht kannten, obwohl sie oft auf den gleichen Behördenfluren gesessen hätten. Es sei auch nicht einfach gewesen, zum Beispiel Gynäkologen und Hebammen an einem Tisch zusammenzubringen. Aber nach mehr als 10 Jahren ? die ersten Überlegungen datieren aus dem Jahr 1994, seit fünf Jahren ist Sandvoss offiziell Präventionsbeauftragter ?- seien die ersten Erfolge des Netzwerkes für Familien, kurz Neff genannt, messbar. So sei es gelungen, die Fälle und damit die Kosten für die Heimunterbringung von Kindern oder in Pflegefamilien deutlich zu senken. 99 Prozent der Familien mit Neugeborenen freuten sich, wenn sie heute Besuch von Neff-Vertretern bekämen. Und immerhin jede zehnte Familie nehme das Hilfsangebot gerne an. Und das trotz eines großen allgemeinen Misstrauens gegenüber Behörden. ?Man kann schon neidisch werden, wenn man das alles hört?, meinte Gabi Duhme. Die Vorsitzende des örtlichen Jugendhilfeausschusses stellte allerdings klar, dass man vor Ort nicht am Nullpunkt stehe. ?Was in Ahlen fehlt, ist ein klar strukturiertes Konzept?, bedauerte Duhme, dazu gehöre auch eine Verzahnung von Jugendhilfe und Schulentwicklung, die aber trotz guter Ansätze noch nicht vorangekommen sei. Kritisch wurde die unterfinanzierte Ausstattung der offenen Ganztagsschulen in Ahlen angesprochen.

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